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Arbeitskräftemangel Ingenieure: Rosa Brille und tiefschwarze Wolken

Arbeitskräftemangel: Ingenieure gesucht

Arbeitskräftemangel: Ingenieure gesucht?


Der Arbeitskräftemangel wird künftig etwa weniger stark wachsen als bisher angenommen. Das ist in kurzen Worten das Ergebnis der neuen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts und einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Aber der Arbeitskräftemangel wird weiter wachsen – und das exponential.

Arbeitsmarktbewölkung schwarz oder tiefschwarz?

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Statistische Bundesamt die neue Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland bis 2060 samt zugehöriger Pressemitteilung. Je nachdem, wie positiv die Auswirkung des Wanderungssaldos* von Personen im erwerbsfähigen Alter sein wird, sind die Wolken am Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen entweder schwarz oder tiefschwarz. Das Wachstum des Arbeitskräftemangels ist weiter ungebrochen und verläuft exponential.

Zitat: „Besonders stark wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpfen. Die Anzahl der 20- bis 64-Jährigen (2013: 49 Millionen) wird ab 2020 deutlich zurückgehen und 2060 je nach Stärke der Nettozuwanderung etwa 34 beziehungsweise 38 Millionen betragen.

11 bis 15 Millionen Arbeitskräfte fehlen

In dem von Andrea Nahles geleiteten Bundesministerium für Arbeit und Soziales freut man sich über den Erfolg, die Wolkenfarbe des Arbeitskräftemangels von tiefschwarz zu schwarz gedreht zu haben: „Die durch die Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen des Fachkräftekonzepts erweisen sich als richtig und wichtig.

Doch selbst dieser „Erfolg“ ist mehr als fragwürdig. Nach Einschätzung der Experten vom Kompetenz Center Mitarbeiterbindung ist von einer Lücke von 20 Millionen fehlenden Arbeitskräften auszugehen. Die Experten monieren, dass die Annahmen zur Nettozuwanderung erneut mit politisch motiviert rosaroter Brille getroffen wurden. Tatsächlich war der Wanderungssaldo seit 2000 lediglich in vier Jahren positiv. Die meisten Einwanderer stammen aus der Europäischen Union, vor allem aus Polen, Rumänien, Italien, Ungarn und Spanien.

Krisengewinnler Deutschland

In den vier guten Jahren profitierte Deutschland ausschließlich von der schlechten Arbeitsmarktlage in den südeuropäischen EU-Ländern. Doch die Krise bei unseren Nachbarn kann unseres Erachtens keinesfalls als Dauerzustand und Basis für weitere Hochrechnungen angenommen werden.

Aber die Ministerin beharrt darauf, dass „man nun für die Zeit bis 2030 sogar von einer Nettozuwanderung von jährlich 300.000 Personen ausgehen könne“ (FAZ). Noch rosaroter kann die Brille nicht sein, mit der sie die Entwicklung des Arbeitskräftemangels betrachtet. In zehn von 14 Jahren seit 2000 wurde diese Nettozuwanderung nicht einmal ansatzweise erreicht.

Schaden durch Arbeitskräftemangel

Im unvorstellbaren Fall, dass die Ministerin Recht behält, würde in einigen Jahren jeder Zweite im erwerbsfähigen Alter hierzulande einen Migrationshintergrund aufweisen. Dies ist neben dem offenbar unvermeidbaren Arbeitskräftemangel zweifellos ein weiterer Aspekt, der von Politik und Unternehmen im Hinterkopf zu behalten ist.

Die Kollegen der Boston Consulting Group (BCG) haben dennoch die rosa Zahlenwelt genutzt, um den wirtschaftlichen Schaden des Arbeitskräftemangels zu berechnen. Ihr Ergebnis: Durch den Arbeitskräftemangel könnte der deutschen Wirtschaft ein Schaden von 550 Milliarden Euro entstehen.

Arbeitskräftemangel von Jahr zu Jahr stärker

Wie man es auch dreht und wendet: Der Arbeitskräftemangel bleibt uns erhalten, der Arbeitskräftemangel wird von Jahr zu Jahr stärker. Unternehmen, die keinen allzu großen Schaden nehmen wollen, ergreifen Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterbindung und ihrer Arbeitgeberattraktivität.

Arbeitskräftemangel: Ingenieure gesucht?

Wolf, Gunther: Wie Arbeitgeber für Bewerber unwiderstehlich werden. In: Beratende Ingenieure 1/2. Düsseldorf: Krammer Verlag 2015.

Im Hinblick auf Ingenieure ist der Arbeitskräftemangel schon jetzt enorm spürbar. Der wirtschaftliche Schaden durch den Arbeitskräftemangel ist hier überproportional hoch. Welche Handlungsoptionen Unternehmen haben, beschreibt der Experte für Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität Gunther Wolf im Verbandsmagazin der Beratenden Ingenieure.

Arbeitskräftemangel: Schwarze Wolken trotz rosa Brille

In der Basisvariante der Prognose (Wanderungssaldo 200.000 jährlich ab 2020) wird bis zum Jahr 2030 (im Vergleich zum Jahr 2013)

  • die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren um rund 5 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbspersonen um 2,0 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbstätigen um 1,0 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbslosen um 1,0 Mio. auf 1,2 Mio. sinken.

Nach dem Jahr 2030 werden sich die Auswirkungen des demografischen Wandels weiter verstärken, so dass bis zum Jahr 2050 ein weiterer Rückgang der Erwerbspersonen in Millionenhöhe zu erwarten ist.

Arbeitskräftemangel: Weiterführende Links

* Wanderungssaldo, Nettozuwanderung: Differenz zwischen der Anzahl der Personen, die nach Deutschland zuwandern und der Abwanderung aus Deutschland

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Name
Beratende Ingenieure - Fachmagazin
Bezeichnung
Wie Arbeitgeber für Bewerber unwiderstehlich werden
Preis (netto)
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